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FonTimes 4/2017

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TITELSTORY ALLE SIND AUF

TITELSTORY ALLE SIND AUF IHRE EIGENE ART SCHÖN Der Film „Embrace“ spricht sich gegen Body Shaming und für mehr Selbstliebe aus. Wie wichtig dieses Thema ist, zeigen die Reaktionen auf den Film. Wir haben mit Ex-Miss Schweiz Kerstin Cook über die Liebe zum eigenen Körper gesprochen. Sie selbst hatte schon mit sich zu kämpfen. Fontimes: Der Film „Embrace“ lief kürzlich in den Kinos und soll den Menschen Mut machen ihren Körper zu lieben – mit allen Macken. Sie selbst waren kürzlich in den Medien präsent, weil Sie dem Magerwahn in der Model-Branche abgesagt haben. Was für ein Gefühl löst ein solcher Film in Ihnen aus? Kerstin Cook: Es ist extrem schwierig sich selber zu akzeptieren und zu lieben. Ich finde solche Filme, die genau dieses Thema und die dazugehörigen Probleme zeigen, sehr hilfreich und interessant. FT: Wie reagieren Sie auf solche Schlagzeilen, in denen Frauen – wie Sie selbst – mit einer Top-Figur als zu dick oder unschön abgestempelt werden? Kerstin Cook: Ich finde es sehr schade und falsch. Niemand hat das Recht, jemanden als dick oder unschön zu be zeichnen. Wir alle sind auf unsere eigene Weise schön. Diese Schlagzeilen können auch sehr gefährlich für junge Mädchen sein, die dadurch eine falsche Wahrnehmung bekommen. FT: Nach Ihrem Sieg bei der Miss-Wahl wurden Sie von Ernährungsexperten kritisiert, weil Sie zu dünn waren. Trotzdem forderten die Werbekunden, dass Sie noch mehr abnehmen müssen. Wie sind Sie damit umgegangen? Kerstin Cook: Diese Zeit war wirklich sehr schwierig für mich. Auf einer Seite nannte man mich zu dünn und auf der anderen Seite zu dick. Ich fand mich damals eigentlich perfekt so, wie ich war. Dadurch, muss ich eingestehen, fühlte ich mich nicht mehr so schön und wollte abnehmen. Ich wurde Miss Schweiz, weil man mich so wie ich war gewählt hatte und nicht, weil ich noch dünner sein sollte. Ich muss ehrlich sagen, ich werde niemals wieder mit diesen Sponsoren arbeiten. FT: Wie hat sich Ihre Arbeit verändert, seit Sie in der Modelbranche nicht mehr unter „Size Zero“ laufen? Werden Sie häufiger oder weniger gebucht? Kerstin Cook: Das Fashion-Business hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Neben sehr dünnen Models werden mehr Curvy Models gebucht oder Persönlichkeiten. Es ist auch vielseitiger geworden. Ich arbeite jetzt mehr als vorher. Natürlich arbeite ich nicht mehr so oft als Laufsteg-Model. Ich arbeite auch weniger in Paris, dafür mehr in den USA. Bei mir hat sich also dadurch sehr viel positiv verändert. FT: Ist der Druck, vor der Kamera perfekt auszusehen, höher als im Privatleben? Kerstin Cook: Bei mir ist es anders herum. Vor der Kamera fühle ich mich super wohl und sehr zufrieden. Privat hingegen fühle ich mich manchmal unter Druck gesetzt, perfekt auszusehen. Ich weiss nicht mal wieso, aber ich denke, als Schweizer Persönlichkeit wird man oft beobachtet. Die Medien und Werbungen machen es sowohl uns Frauen als auch den Männern nicht einfach. Täglich sehen wir „perfekte Körper“, die ganz klar gephotoshoped sind, in Zeitschriften und anderen Me dien. Wir stehen extrem unter Druck, obwohl es kein PERFEKT gibt. 22

„WIR MÜSSEN UNS SO, WIE WIR SIND, AKZEPTIEREN.” KERSTIN COOK FT: 91 Prozent der Frauen haben ein Problem mit Ihrem Körper. Woher kommt Ihrer Meinung nach diese Unzufriedenheit? Kerstin Cook: Diese Unzufriedenheit kommt bestimmt durch die Medien. Uns wird immer vorgeschrieben, wie wir aussehen müssen. Auch die Stars, die sich OPs un terziehen, um dann in den Medien als perfekt und schön beschrieben zu werden. Nach der Geburt müssen wir alle schnell wieder schlank sein, ständig müssen wir den perfekten Po haben usw. Wir werden also als nicht schön bezeichnet, wenn wir diesen Idealen nicht entsprechen. Niemand kann genauso aussehen, denn wir sind alle ganz verschieden und dadurch werden wir frustriert und unzufrieden. FT: Gibt es etwas, was Sie nicht an Ihrem Körper mögen? Kerstin Cook: Ich mag meine Beine nicht besonders. Ich dachte immer, sie seien zu dick. Heute finde ich auch meine Beine ganz ok :) FT: Was muss sich in unserer Gesellschaft ändern, dass Frauen selbstbewusst mit ihrem Körper leben? Kerstin Cook: Wir müssen aufhören perfekt sein zu wollen. Wir müssen uns so, wie wir sind, akzeptieren. Wir müssen auch aufhören, einander runterzuziehen. Ich sehe so viele negative Kommentare in den sozialen Medien. FT: Was kann jede Frau für sich tun, um sich in ihrem Körper wohlzufühlen? Kerstin Cook: Ich schaue jeden Tag in den Spiegel und sage mir: „Du bist wunderschön!“ Ich mache Dinge, die mich glücklich machen, z. B. Sport, um gesund zu bleiben, ich ernähre mich gut. Ich finde alle meine Narben, Cellulite und Dehnungsstreifen schön. Es ist aber nicht immer einfach. › 23