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FonTimes 4/2017

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TITELSTORY Und selbst

TITELSTORY Und selbst die durchtrainierten Frauen kämpfen mit Kritik: Erfolgreiche Sportlerinnen werden als unweiblich und unsexy abgestempelt. Nicht mal mehr die Männer sind da - vor sicher. Als Schauspieler Vin Diesel einen Bauchansatz bekam, enthielten die Schlagzeilen nicht selten Worte wie „Bierbauch“, „Wampe“ und „faul“. Daher ist die Zahl der magersüchtigen Männer gleichermassen angestiegen – inzwischen sind zehn bis 15 Prozent der Patienten vom „starken Geschlecht“. Fitness-Studios und Anabolika leisten ihr Übriges. Erkenntnissen der Champman-Universität zufolge sind 21 Prozent der Männer unzufrieden mit ihrem Aussehen. 22 Prozent haben sogar schon versucht, ein unliebsames Körperteil während intimer Stunden zu verdecken. IN DEN SOZIALEN MEDIEN HAT BODY SHAMING LÄNGST EINZUG GEHALTEN UND BRINGT FOLGEN MIT SICH Die sozialen Medien haben Body Shaming eine grosse Bühne geschaffen. Wir können uns mit der ganzen Welt vernetzen, mit der ganzen Welt vergleichen und über die ganze Welt meckern. Auffallend ist dabei, man kann es dort keinem recht machen. Dünnen Mädels unterstellt man, sie vermitteln ein ungesundes Schönheitsideal und „Plus Size“-Frauen wird vorgeworfen, sie seien schon ungesund und nur zu faul für Sport und richtige Ernährung. Die Folge der ganzen Kritiken sind nicht zuletzt Apps, mit denen man eben schnell die Schnappschüsse optimieren kann. Besonders populär ist die App Facetune. Mit Hilfe von verschiedenen Werkzeugen lässt sich der Teint dunkler machen, die Oberschenkel straffen und die Taille etwas schlanker ziehen. Einige populäre Web-Stars gehen teilweise noch weiter – kein einziges Bild ist unbearbeitet. Überall wird optimiert und ein Filter darüber gelegt. Gerade auf junge Mädchen haben die Influencer grossen Einfluss und helfen so ein unrealistisches Selbstbild weiterzuvermitteln. INITIATIVEN GIBT ES WELTWEIT Daher gibt es neben „Embrace“ zahlreiche weitere Initiativen, die sich für ein realistisches Körperbild einsetzen. So zum Beispiel vergangenes Jahr in Amsterdam: Frauen mit den verschiedensten Körperformen haben blank gezogen, um sich gegen Body Shaming und Mobbing einzusetzen. Die Aktion „Body Love“ setzt sich auf der ganzen Welt für mehr Selbstliebe und Akzeptanz ein. Auch in den sozialen Medien machen sie sich stark. Der Online Shop Asos verzichtet seit einigen Tagen auf Photoshop. Die neuen Bademode- und Wäschekollektionen 30

Trotz aller Bemühungen der Body Love-Bewegung stossen Firmen wie Dove oder seit kurzem auch Tchibo – beide setzen für ihre Werbungen normale Frauen mit unterschiedlichen Körpern und „Schönheitsfehlern“ ein – immer wieder auf Kritik. Unter den Postings sind Kommentare zu lesen wie: „Die sind doch nur zu faul zum Sportmachen“, „Wenn ich solche Dellen hätte, würde ich lieber im Schweiss ertrinken, als eine kurze Hose zu tragen“ oder „Mit dem Gesicht würde ich mich ja nicht auf die Strasse trauen“. werden an zwar immer noch schlanken, aber unretuschierten Models gezeigt. Zu sehen sind neben den neuesten Schnitten und Trendfarben nun auch Dehnungsstreifen, Narben, ein kleines Speckröllchen und Pigmentflecken. So wie im echten Leben eben. Klar handelt es immer noch um Modelkörper, das ist schliesslich auch deren Kapital. Aber der Schritt geht in die richtige Richtung und zeigt: Auch Frauen, die mit ihrem Körper Geld verdienen, haben kleine Makel, die allerdings noch lange nicht das Ende der Welt bedeuten. Was bewegt andere dazu, Menschen aufgrund ihres Aussehens zu diskriminieren? Die eigene Unzufriedenheit, wie Psychologen bereits in diversen Untersuchungen herausgefunden haben. Somit setzt sich ein Teufelskreis in Gang: Menschen, die unzufrieden mit sich sind, kritisieren andere, die dann ebenfalls unzufrieden werden. Diese Spirale muss durchbrochen werden. Statt andere zu beleidigen, sollte man lieber Komplimente verteilen, auch mal an sich selbst. Und Geschmack ist sowieso relativ. Irgendwer auf der Welt findet diese Person schön – sei selbst der Erste. TIPPS FÜR EIN BESSERES KÖRPERGEFÜHL . Sei liebevoll: Lächle dich an, wenn du in den Spiegel schaust. Das Gehirn schüttet bereits nach wenigen Sekunden Glückshormone aus, die eine positive Grundstimmung erzeugen. . Sei positiv: Mach dir und deinem Körper Komplimente und sprich diese auch laut aus. Je öfter du sie sagst, desto eher glaubst du auch daran. . Schreib einen Liebesbrief: Und zwar an dich. 31