Aufrufe
vor 2 Jahren

FonTimes 4/2017

  • Text
  • Cook
  • Menschen
  • Schweizer
  • Medien
  • Schlaf
  • Nutzer
  • Spinner
  • Zeit
  • Ebenfalls
  • Fidget

HANDYNUTZUNG/KOMMUNIKATION „BE SMART, DON’T PHONE”: DIE RISIKEN VON HANDYS IM STRASSENVERKEHR Eine neue Studie der AXA belegt: Zwei Drittel der Autofahrer und Fussgänger nutzen ihr Smartphone, während sie im Strassenverkehr unterwegs sind. Welche Gefahren dies mit sich bringt, hat die AXA Winterthur in einem Crashtest gezeigt. Die Unfallforscher fordern kon krete Massnahmen, um der risi ko reich en Handy-Nutzung im Verkehr entgegenzuwirken. Smartphones werden sowohl von Autofahrern als auch von Fussgängern rege im Verkehr genutzt, obwohl dies äusserst riskant ist. Bei Crashtests in Dübendorf zeigte die Unfallforschung der AXA Winterthur mit drei Crashs auf, welche Folgen die Ablenkung durch Smartphones im Verkehr haben kann. Die Ergebnisse der Studie der Stiftung für Prävention der AXA zeigen: Rund zwei Drittel der befragten Autofahrer haben ihr Smartphone schon am Steuer genutzt, obwohl die Mehrheit (94 Prozent) dies selber als gefährlich einstuft. Bettina Zahnd, Leiterin der Abteilung Unfallforschung & Prävention der AXA Winterthur, veranschaulicht das Risiko: „Richtet man bei einer Autofahrt mit Tempo 50 den Blick nur zwei Sekunden lang auf sein Smartphone-Display, dann befindet man sich während 28 Metern im Blindflug.“ Viele der befragten Autofahrer kennen dieses Risiko aus erster Hand: Jeder Dritte gab an, selber schon eine brenzlige Situation erlebt zu haben, weil er selber oder ein anderer Verkehrsteilnehmer durch das Smartphone abgelenkt waren. WHATSAPP WIRD AUCH BEIM FAHREN GENUTZT Laut Studie nutzen die Autofahrer das Handy am häufigsten zum Telefonieren oder als Navigationsgerät. Doch auch die textbasierte Kommunikation ist verbreitet: 23 Prozent der Autofahrer, die das Smartphone schon während der Fahrt genutzt haben, haben auch schon SMS oder Whats- App-Nachrichten am Steuer gelesen, 13 Prozent selber Nachrichten geschrieben. Für Bettina Zahnd ist klar: „Nicht nur telefonieren, sondern auch Nummern eintippen, eine Route auf dem Navigationssystem suchen oder Nachrich- 46

ten lesen, lenkt Autofahrer massiv ab.“ Gemäss amtlichen Zahlen sind rund 21 Prozent aller Unfälle mit Personenschaden auf Ablenkung und Unaufmerksamkeit zurückzuführen. „Wir gehen davon aus, dass gerade auch die Nutzung von Smartphones dabei eine Rolle spielt. Zudem rechnen wir mit einer grossen Dunkelziffer, da Unfallursachen nicht immer genau eruiert werden können. So kann auch das Missachten des Vortrittsrechts letztlich eine Folge von Ablenkung sein“, erklärt Bettina Zahnd. JEGLICHE MANIPULATIONEN AM SMARTPHONE BÜSSEN In der Schweiz ist während der Fahrt lediglich das Telefonieren ohne Freisprechanlage im Ordnungsbussenkatalog aufgeführt. Bettina Zahnd sieht hier dringenden Handlungsbedarf: „Tätigkeiten wie das Lesen oder Schreiben von Nachrichten am Handy während der Fahrt sind deutlich gefährlicher als das Telefonieren ohne Freisprechanlage, da die Autofahrer den Blick nicht auf die Strasse, sondern aufs Display richten.“ Bettina Zahnd fordert deshalb: „Jegliche Manipulationen an mobilen Geräten während der Autofahrt sollten Ordnungsbusstatbestände sein und deutlich höher gebüsst werden als das Telefonieren ohne Freisprechanlage.“ Mit diesem Postulat erhofft sich Bettina Zahnd Klarheit: „Wer tippend oder lesend am Steuer erwischt wird, riskiert heute – weil er gegen das Strassenverkehrsgesetz handelt – ein administratives Verfahren. Viele Autofahrer wissen jedoch nicht, was das konkret für sie bedeutet.“ Die Unfallforscherin ist überzeugt, dass eine Busse zu einem erhöhten Problembewusstsein bei den Autolenkern führen würde. Drei Viertel der befragten Autofahrer (77 Prozent) würden die Einführung einer Busse laut Studie ebenfalls befürworten. „SMOMBIES“ SIND VERURSACHER UND OPFER VON PERSONENUNFÄLLEN Nicht nur Autofahrer, auch Fussgänger sind wegen ihren Smartphones gefährlich abgelenkt. Ein Drittel der befragten Fussgänger nutzt ihr Smartphone oft, wenn sie im Verkehr unterwegs sind, ein weiteres Drittel zumindest gelegentlich. Sogenannte Smartphone-Zombies – kurz: Smombies – richten ihre Aufmerksamkeit nicht auf die Strasse, sondern auf ihre Geräte und gefährden dadurch sich selbst und andere. Bettina Zahnd erklärt: „Fussgänger nehmen Gefahren im Strassenverkehr mit Augen und Ohren wahr. Werden diese Sinne – etwa durch Musikhören, Videoschauen, Nachrichtenlesen oder Apps checken – gedämpft oder gar aus - › SICHERHEITSTIPPS 1. Am sichersten sind Autofahrer unterwegs, wenn sie den Flugmodus ihres Smartphones aktivieren und während der ganzen Fahrt auf die Nutzung verzichten. 2. Beim Telefonieren im Auto nur Freisprecheinrichtungen (auch Kopfhörer sind erlaubt) nutzen, sich selbst anrufen lassen oder für die Eingabe von Nummern Sprachsteuerungssysteme nutzen. 3. Fussgänger verhalten sich am sichersten, wenn sie zum Telefonieren, Schreiben oder Videoschauen, stehen bleiben. 4. Beim Überqueren der Strasse unbedingt Kopfhörer abnehmen und aufs Lesen und Schreiben von Nachrichten verzichten. 47