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FonTimes_6/2017

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TITELSTORY FT: Unter

TITELSTORY FT: Unter welchen Umständen kann ein Versicherer den Versicherten ablehnen oder den Vertrag kündigen? Babette Sigg: Die Grundversicherung kann der Versicherer nicht kündigen. Zusatzversicherungen können vom Versicherer oder von der versicherten Person unter Einhalt der Kündigungsfrist gekündigt werden. Unter den Versicherern gilt aber ein rechtlich nicht verbindliches Versprechen, Zusatzversicherungen nicht zu kündigen, wenn sich die Versicherten an die Verträge halten. FT: Halten Sie das Schweizer Gesundheitssystem für gut? Gibt es in Ihren Augen andere Länder, die ein besseres System haben? Babette Sigg: Die medizinische Versorgung in der Schweiz ist insgesamt sehr gut. Das bestätigt die Bevölkerung bei repräsentativen Umfragen und Volksabstimmungen immer wieder. Einzig die steigenden Krankenkassenprämien werden kritisiert. Auch in internationalen Rankings schneidet die Schweiz immer wieder gut ab. Unbefriedigend ist die Tatsache, dass wir in der Schweiz zwar die Kosten auf Franken und Rappen genau kennen, aber hinsichtlich der Qua lität der medizinischen Leistungen nicht annähernd genaue Zahlen haben und folglich das Preis-Leistungs- Verhältnis nicht objektiv beurteilen können. Die hohe Lebenserwartung und die hohen Werte der Lebenszufriedenheit können nur zu etwa 20 Prozent durch die medizini sche Versorgung erklärt werden. Bildung, Komfort am Wohnund Arbeitsort etc., also der Wohlstand, allgemein erklären 80 Prozent. FT: Welche Änderungen im Gesundheitssystem oder bei den Versicherungen würden Sie begrüssen? Babette Sigg: Angesichts der Tatsache, dass die politische Hektik an den stetig um die vier Prozent steigenden Kosten und Krankenkassenprämien bisher nichts geändert hat, ist von noch mehr Hektik abzuraten. Hinsichtlich Qualitätstransparenz ist das KVG endlich zu vollziehen, damit die freie Arzt- und Spitalwahl kein Blindflug mehr ist. Die Ab geltung der medizinischen Leistungen muss von Mengen zum Behandlungserfolg verlagert werden. Weiter ist eine einheitliche Finanzierung der ambulanten und stationären medizinischen Leistungen notwendig. Jetzt werden sta tionäre Leistungen zu 55 Prozent vom Wohnkanton und zu 45 Prozent von der Krankenkasse bezahlt, ambulante Leistungen zu 100 Prozent von der Kasse. Die einheitliche Finanzierung ist wichtig, damit die volkswirtschaftlich sinnvolle Verlagerung von stationär zu ambulant nicht die Kopfprämien in die Höhe treibt und gleichzeitig die Kantons finanzen ohne Steuersenkungen entlastet. 26

F FT: Welche Optionen gibt es, wenn man nicht mehr in der Lage ist die Versicherungsbeiträge zu bezahlen? Babette Sigg: Wer seine Krankenkassenprämien nicht bezahlen kann, hat grundsätzlich das Recht auf individuelle Prämienverbilligungen (IPV). Leider kürzen einige Kantone die Prämienverbilligungen trotz stark steigender Krankenkassenprämien. Besser wären bedarfsgerechtere Kriterien für Prämienverbilligungen als die Steuerveranlagung. Mit dem richtigen Franchise- Modell kann man bei Krankenversicherung ein paar Franken sparen. FT: Wie viele Personen in der Schweiz sind nicht versichert? kranken- Babette Sigg: In der Schweiz müssen sogar Personen krankenversichert sein, die sich illegal im Land aufhalten, zum Beispiel Sans Papiers. Auch Asylsuchende sind versichert. Zuständig für die Durchsetzung dieses Obligatoriums sind die Kantone. FT: Welche Menschen bzw. Patienten geniessen einen besonderen Versicherungsschutz? Babette Sigg: Keine! Das Krankenversicherungs-Obligatorium garantiert für alle Menschen in der Schweiz den gleichen Zugang zu wirksamen, zweckmässigen und wirtschaftlichen medizinischen Leistungen. FT: Sind auch Grenzgänger dazu verpflichtet eine zer Krankenversicherung abzuschliessen? Schwei- Babette Sigg: Gemäss Freizügigkeitsabkommen der Schweiz mit der EU (FZA) und der EFTA gilt das Erwerbsortsprinzip. Jede in der Schweiz erwerbstätige Person und ihre nichterwerbstätigen Familienangehörigen unterstehen der Krankenversicherungspflicht in der Schweiz. Dies gilt namentlich für Grenzgängerinnen und Grenzgänger. Die Schweiz hat jedoch mit den angrenzenden Staaten (Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich) Sondervereinbarungen getroffen, damit sich die in diesen Ländern wohnhaften Personen im Wohnland versichern können (Optionsrecht). SCHWEIZERISCHES KONSUMENTENFORUM KF Das Schweizerisches Konsumentenforum kf ist die älteste Konsumentenorganisation in der Schweiz. Dabei agiert die Organisation unabhängig und bietet eine breite Fachkompetenz. Das kf macht sich stark für die Konsumenten und informiert über wichtige Themen, um die Entscheidungsfreiheit des Konsumenten zu erhalten und Vertrauen zu schaffen. Auch bietet es eine Beratungsstelle für alle Fragen des Konsums. Dabei tritt es auch mit Politik, Behörden, Organisationen und Verbänden in den Dialog, um die Interessen des Konsumenten zu vertreten. 27