Aufrufe
vor 2 Jahren

FonTimes_7/2017

  • Text
  • Borer
  • Schweizer
  • Unternehmen
  • Zeit
  • Google
  • Zudem
  • Franken
  • Menschen
  • Kinder
  • Ebenfalls

GEMEINNÜTZIGES IEDA:

GEMEINNÜTZIGES IEDA: MIT DER DIGITALISIERUNG KINDERLEBEN RETTEN Innovative Ideen und der Einsatz von neuen Technologien können helfen, Leben zu retten. Ein Beweis dafür ist das Vorreiterprojekt gegen die Kindersterblichkeit in Afrika von Terre des Hommes. Mit IeDA (Integrated e-Diagnostic Approach), einer App auf einem Tablet zur Diagnose von Kinderkrankheiten, revolutioniert das Schweizer Kinderhilfswerk das Gesundheitswesen in Burkina Faso. Der kleine Gildas hustet und hat Kopfschmerzen. Im nahen Gesundheitszentrum, zwei Kilometer von seinem Dorf entfernt, wird der Vierjährige von der Krankenschwester untersucht. Sie horcht ihn ab und kontrolliert seine Atmung. „Während einer Minute tippe ich das Tablet an, jedes Mal, wenn sich die Brust des Kindes hebt“, erklärt sie. Das Gesundheitszentrum, in dem Gildas betreut wird, ist mit einem Tablet-Computer ausgestattet, auf dem das Schweizer Kinderhilfswerk Terre des Hommes eine App zur Diagnosehilfe installiert hat. Die Krankenschwester erfasst die Symptome des Kindes und beantwortet eine Reihe von Fragen. Sobald der elektronische Fragebogen ausgefüllt ist, schlägt die App eine Diagnose und eine dem Alter und Gewicht des Kindes entsprechende Behandlung vor. Bei Gildas ist der Fall klar: Er hat eine Lungenentzündung. FRÜHERKENNUNG GARANTIERT BEHANDLUNGSERFOLG Solche häufigen Kinderkrankheiten wie Lungenentzündung, Durchfall und Malaria sind heilbar, wenn sie rechtzeitig erkannt werden. Trotzdem stirbt in Burkina Faso je des zehnte Kind vor dem fünften Geburtstag, weil die Kinderkrank heiten oft nicht korrekt behandelt werden. Denn während wir in der Schweiz einen Arzt auf 250 Einwohner zählen, gibt es in Burkina Faso nur einen Arzt pro 20'000 Einwohner. In abgelegenen Gebieten treffen Patienten also meist auf wenig qualifiziertes Pflegepersonal, welches Mühe hat eine korrekte Diagnose zu stellen und die benötigte Behandlung zu verordnen. Jedes zehnte Kind in Burkina Faso stirbt vor seinem fünften Geburtstag. Um die Qualität der Gesundheitsleistungen für Kinder in diesen Gebieten zu verbessern, hat Terre des Hommes daher ein innovatives, digitales Tool entwickelt: IeDA (Integrated e-Diagnostic Approach), eine App für Tablets, die das Pflegepersonal bei der Diagnose von Kindern unter fünf Jahren anleitet. Die App befolgt die klinischen Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation für das Integrierte Management von Kinderkrankheiten (IMCI) in digitaler Form und ersetzt somit eine lange und mühselige Papierversion. 112

F der App auf dem Tablet die Diagnosequalität um 50 Prozent verbessert. Weniger Fehler bei der Diagnose bedeuten eine bessere Betreuung des Kindes und folglich bessere Heilungschancen. Ausserdem erlaubt die Verfügbarkeit der Gesundheitsdaten online, eine Weiterverfolgung des medizinischen Dossiers und, wenn nötig, einen Fernzugriff und Beratung von ausgebildeten Ärzten. REVOLUTIONÄRE TECHNOLOGIE IST BEREITS IN 600 GESUNDHEITSZENTREN IM EINSATZ „IeDA ist eine kleine Revolution in der Welt der Telemedizin“, erklärt Guillaume Foutry, der für das Projekt in Burkina Faso verantwortlich ist. 2011 setzte sich Terre des Hommes das Ziel, die medizinische Versorgung von Kindern durch die Modernisierung von Gesundheitszentren in ländlichen Gebieten zu verbessern. Sechs Jahre später trägt das Projekt Früchte: 600 Gesundheitszentren wurden mit Tablets ausgestattet und mehr als 3'400 Angehörige des Pflegepersonals nutzen die App. Seit Dezember 2014 wurden bereits über eine Million Untersuchungen von Kindern mit IeDA durchgeführt und erfasst. Nach einer Grundausbildung und einigen Wochen Praxis ist das Pflegepersonal mit dem Tool vertraut. „Die Untersuchung ist umfassender als früher, als wir uns darauf beschränkten, was die Mutter erzählte. Mit dem Tablet kann man keine Fragen überspringen, weil man sonst nicht fortfahren kann“, erklärt Désiré Ouedraogo, Pflegeleiter eines Gesundheitspostens. Um die Auswirkungen von IeDA auf die Diagnosequalität zu analysieren und zu dokumentieren, hat Terre des Hommes eng mit der London School of Hygiene and Tro pical Medicine (LSHTM) zusammengearbeitet. „Kommt das Tablet zum Einsatz, macht das Pflegepersonal 20 bis 25 Prozent weniger Fehler als bei einer Befolgung der Richtlinien auf Papier“, berichtet Karl Blanchet, Forscher an der LSHTM. Die Studie, die er mit seinem Team von Spezialisten in London und vor Ort durchführt, zeigt, dass der Gebrauch Und der Erfolg des Projekts soll weitergehen. Momentan arbeitet Terre des Hommes mit dem Gesundheitsministerium in Burkina Faso daran, noch mehr Gesundheitszentren des Landes mit Tablets auszustatten. Unterdessen zeigen weitere Länder in Westafrika ihr Interesse an der Benutzung der App. In Mali wird das Tool bereits getestet und seine Einführung geplant. Ausserdem arbeitet das Projektteam daran, die App um weitere Themen wie die Behandlung von Mangelernährung bei Kindern und die Geburtshilfe zu erweitern und die Schulungsfunktionen der App auszubauen. IHRE SPENDENANNAHME Unterstützen Sie bedürftige Kinder und helfen Sie, ihre Zukunft zu verändern. Postkonto: 10-11504-8 oder unter: ›› tdh.ch/spenden 113