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FonTimes_7/2017

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TITELSTORY FT: Was ist

TITELSTORY FT: Was ist die grösste Stärke der Schweizer Wirtschaft? Dr. Thomas Borer: Die Schweiz hat in den letzten Jahren oder Jahrzenten immer wieder bewiesen, dass sie eines der innovativsten Länder der Welt ist. Unser Bildungssystem ist eines unserer grössten Stärken. Drei unserer Universitäten gehören zu den besten hundert Universitäten der Welt. Dazu kommt unser duales Bildungssystem, das auch im internationalen Vergleich äusserst gut ausgebildete Arbeitskräfte hervorbringt, was der Schweizer Nachwuchs an den Berufsweltmeisterschaften mit 20 Medaillen, elf davon Gold, beweisen konnte. Bildung ist unser wertvollstes Gut und es wird auch in Zukunft essenziell sein, daran zu ar beiten. Unser liberaler Arbeitsmarkt sowie funktionierende So zialpartnerschaften sind ebenso wichtig wie die verfüg baren Fachkräfte. Ein Beispiel, wie ein überregulierter Arbeitsmarkt zu wirtschaftlichem Stillstand führen kann, ist Frankreich. Wir sehen, dass in der Schweiz trotz der liberalen Regelung und wenig staatlicher Eingriffe und verordneten Umverteilungen die Ungleichheit gefallen ist. Es gibt auf der Welt neben Norwegen kein Land mit einem derart hohen BIP und einer tiefen Ungleichheit. Gemäss Avenir Suisse hatten wir sogar einen stärkeren Lohnanstieg bei den tieferen Einkommen als bei den hohen Einkommen, was doch sehr erfreulich ist. Des Weiteren sehe ich einen grossen Vorteil in der konsequenten Umsetzung des Föderalismus und unseres Subsidiaritätsprinzips. Der Konkurrenzföderalismus fördert die Kultur, Neues zu wagen, welches bei erfolgreicher Implementierung von anderen Kantonen übernommen werden kann. Unser politisches System spielt bei all den genannten Faktoren natürlich eine wichtige Rolle. Es ist das Zusammenspiel, die Vielfalt, der Konsens, was die Schweiz zu einem der erfolgreichsten Länder mit einer ausserordentlichen Lebensqualität macht. Politische Stabilität ist nicht nur für die heimische Bevölkerung und Unternehmen wichtig, sondern auch für Investitionen aus dem Ausland. Alle diese und andere Faktoren zusammen ergeben das „Erfolgsmodell Schweiz“. Die Schweizer Bürger sind gebildet und konnten ihre gute Ausbildung auch international bereits unter Beweis stellen. FT: Welche Herausforderungen wird die Schweiz politisch und wirtschaftlich in Zukunft haben? Dr. Thomas Borer: Da gibt es einige. Die Schweiz kann sich den politischen und wirtschaftlichen Megatrends nicht entziehen. Die politische und wirtschaftliche Weiterentwicklung der EU, harter oder weicher Brexit, die hoffentlich friedliche Entwicklung in Osteuropa wird für die Schweiz natürlich spürbare Folgen haben. Ebenso der Aufstieg Chinas zur grössten Volkswirtschaft – in hoffentlich friedlichem Wettstreit mit dem Westen und den asiatischen Nachbarn. Nach wie vor ist für uns mitentscheidend, wie sich die Supermacht USA verhält. Werden die Tendenzen zum Protektionismus siegen oder wird durch eine gute Steuerreform eine neue Dynamik ausgelöst, von der auch wir wirtschaftlich profitieren können? Wie entwickeln sich die Krisenherde um uns herum und gehen wir die grosse Herausforderung Migration endlich mit einer umfassenden Strategie an? Denn es stehen einige hundert Millionen von Menschen an den Toren Europas bereit. Mit einem überholten Flüchtlingsbegriff aus dem Jahre 1945 und unserer jetzigen unsinnigen Flüchtlingspolitik können wir diese Herausforderung sicherlich nicht meistern. Allein Nigeria als wirtschaftlich wichtigstes Land wird laut Voraussagen der UNO in 80 Jahren eine Milliarde Ein wohner haben. Falls die Produktivität nicht steigt, kein Kapital nach 24

F Vorteile von diesen neuen Technologien können sehr vielseitig sein. Die zunehmende Anzahl an IoT-Geräten machen unsere physischen Objekte „intelligenter“. Gleichzeitig steigt aber das Risiko der virtuellen Angreifbarkeit. Autonomes Fahren durch künstliche Intelligenz und Schwarmintelligenz zwischen den Automobilen könnte unsere Unfallrate massiv senken. Die Entwicklung stellt aber eine grosse Herausforderung für Gesetzgeber und die traditionelle Automobilindustrie dar. Die Blockchain ermöglicht es uns durch digitale Währungen auf eine sichere, transparente und günstige Art und Weise auf der ganzen Welt zu gebrauchen. Sie ersetzt möglicherweise Grundbücher bei Immobilienverkäufen oder kann die Voraussetzung für eine digitale Identität schaffen, mit welcher wir im Internet abstimmen können. Die Technologie ist jedoch noch sehr neu und die genauen Auswirkungen sind sehr ungewiss. Generell können wir uns Effizienzgewinne von den neuen Technologen erhoffen. Jedoch gibt es natürlich bei jeder Innovation Gewinner und Verlierer. Die Herausforderung wird sein, dass die Verlierer neue Perspektiven gewinnen. Nigeria fliesst und die politische Situation, trotz demokratischen Wahlen, nicht stabiler wird, werden wir auch mit Flüchtlingsströmen aus diesem Raum zu kämpfen haben. Wirtschaftliche Herausforderungen hängen natürlich auch mit den politischen Herausforderungen zusammen. Wie macht die EZB weiter? Werden die Zinsen weiterhin künstlich tief gehalten? Dies hat natürlich auch starke Impli ­ ka tionen für die Schweiz. Und über den Gamechanger Digita lisierung und Technologie haben wir schon gesprochen. Er wird zukünftig auch über die Macht eines Landes entscheiden. FT: Ist die Digitalisierung und die Industrie 4.0 schon jetzt ein wichtiges Thema in der Arbeitswelt? Welche Vor- und Nachteile wird das mit sich bringen? Dr. Thomas Borer: Die Digitalisierung und die Industrie 4.0 sind beide sehr weitläufige Begriffe. Natürlich, die Schweizer Arbeitswelt und die Schweizer Politik setzen sich mit den beiden Themen auseinander. Ich war Redner am diesjährigen KMU-Forum im Zürcher Oberland und in Winterthur. Das Thema Digitalisierung war auch da omnipräsent. FT: Wie hat sich das Leben junger Schweizer im Vergleich zu Ihrer Jugend verändert? Hat es sich verbessert oder verschlechtert? Dr. Thomas Borer: Ganz gewiss hat es sich verbessert. Als ich jung war, hatten wir kaum Möglichkeiten unsere Ausbildung im Ausland zu ergänzen. Es war schwierig und kostspielig im Ausland zu studieren. Oft wurden die Abschlüsse in der Schweiz nicht zugelassen. Es gab wenige Unternehmen, die Arbeitsplätze im Ausland anboten. Es gab keine Personenfreizügigkeit. Man brauchte für jedes Land Arbeitsbewilligungen, die nur schwer zu erhalten waren usw. Auf der anderen Seite hatte man viel weniger Konkurrenz. Nach meinem Studienabschluss in Basel konkurrierte ich vielleicht mit ein paar Dutzend Juristen um die Arbeitsplätze. Die heutige Schweizer Jugend steht im Wettkampf mit gut ausgebildeten, hungrigen Menschen von überall auf der Welt. Sie muss deshalb jeden Tag länger und härter arbeiten und sich permanent weiterbilden. FT: Normalerweise beraten Sie in Ihrer Consultingfirma Unternehmen, um deren Erfolg zu steigern. Was raten Sie dem einfachen Schweizer Bürger für mehr Erfolg im Leben, besonders finanziell? Dr. Thomas Borer: Zuerst: Es geht uns heute sicherlich viel besser als früher. Wir haben einen grösseren Wohlstand, leben gesünder und werden älter als unsere Eltern. › 25