Aufrufe
vor 2 Jahren

FonTimes_7/2017

  • Text
  • Borer
  • Schweizer
  • Unternehmen
  • Zeit
  • Google
  • Zudem
  • Franken
  • Menschen
  • Kinder
  • Ebenfalls

SOCIAL MEDIA YOUTUBE

SOCIAL MEDIA YOUTUBE KIDS: LEIDER KEINE PERFEKTE, HEILE WELT Ein speziell an Kinder ausgerichtetes Angebot verspricht YouTube Kids. Eigentlich eine gute Idee. Aber nur eigentlich. Die Kontrolle der YouTube-Nutzung durch die Eltern ersetzt auch diese App nicht. Denn sie hat Schwachstellen. Im ersten Moment macht das Angebot einen vernünftigen Eindruck. Auf der Startseite erscheinen direkt die Videos zu beliebten Kinderserien. Eltern können einstellen, ob das Kind die Suchfunktion oder wie lange es das Angebot nutzen darf. Eine Altersbeschränkung ist auch möglich. Alle bekannten Kinderfilm- oder -serienstars sind im Angebot enthalten. Aber eben nicht nur diese. Werbung ist auch bei diesem Angebot von YouTube zu sehen, da diese für Kinder grundsätzlich nicht verboten ist. Aber es ist klar geregelt, was die Werbung beinhalten darf. So sind nur familienfreundliche Anzeigen zugelassen. Auch dürfen die Werbevideos nicht auf andere Webseiten verlinken oder einen Kaufprozess einleiten. Die Werbeanzeigen werden mit einem Intro eingeleitet, das den Kindern klar macht, wann die Werbung beginnt und wann das eigentliche Video. Videos, die Nutzer auf YouTube hochladen, gelten grundsätzlich nicht als bezahlte Werbung, schreibt das Unternehmen in den Werberichtlinien. Ist in einem hochgeladenen Video also ein Werbespot zu sehen, ist dieser nicht als Werbung ausgezeichnet. Ähnliches gilt für gezielt platzierte Werbung in den Videos. Hier gelten im Zweifel die gesetzlichen Regelungen zu Schleichwerbung sowie Produktplatzierung und sollten YouTube angezeigt werden. Welche Inhalte im Angebot erscheinen, entscheidet allein ein spezieller Algorithmus. Dieser könne auch entscheiden, ob ein Video kinderfreundlich ist. Dieser Prozess läuft aber nur maschinell und automatisch im Hintergrund ab. Erst wenn jemand den Inhalt als unangemessen oder ähnliches meldet, werden sie von einem Mitarbeiter überprüft. So kann es vorkommen, dass nicht geeignete Inhalte durch den Algorithmus rutschen und von den Kindern zu sehen sind. In einem Interview mit der „New York Times“ ge steht der für YouTube Kids verantwortliche Manager Malik Ducard auch ein, dass es sich dabei nicht um ein betreutes Angebot handelt. Es sei Aufgabe der Eltern, unerwünschte Suchbegriffe und Kanäle für ihre Kinder zu deaktivieren und 42

F unangemessene Inhalte zu melden. Dieser Vorgang macht es Videoerstellern leicht, nicht kindgerechte Inhalte in die Playlist von YouTube Kids zu schmuggeln. Denn durch die fehlende menschliche Betreuung der ausgewählten Videos reicht es schon aus, die richtigen Stichworte mit dem Video zu versehen, um durch den computergesteuerten Auswahlprozess zu rutschen. So kann es passieren, dass Ihr Kind nach seinem Lieblings-Disney-Star Elsa sucht und auf ein Video mit einer Elsa-Knetfigur stösst, die ihren Schneemann-Freund Olaf in der Pfanne brät. Für Kinder sicher ein schockierender Anblick. Auch Filmchen über selbst gemachte Diätdrinks finden sich in manchen Suchergebnissen – das vermittelt Kindern einen völlig falschen Eindruck. Diese Art von Videos tragen meist Stichwörter, die besonders von Kindern gerne gesucht werden. Im ersten Moment entwickeln sie auch den Eindruck, für Kinder geeignet zu sein. Auch wenn das Unternehmen der Ansicht ist, 0,005 Prozent gemeldete Inhalte seien auf das gesamte Angebot ge sehen eine geringe Zahl, so sehen aufgrund der Grösse von You­ Tube doch viele Kinder diese Videos. Und nicht alle unangemessenen Inhalte werden sofort als solche von den Eltern erkannt und gemeldet. Trotzdem will das Unternehmen nun stärker dagegen vorgehen. Wie genau diese Massnahmen aussehen sollen, konnte uns das Unternehmen bis Redaktionsschluss nicht mitteilen. Wer die Urheber hinter derart verstörenden Bildern sind, ist meist unklar. Der Sinn dahinter in der Regel auch. Die relativ hohen Klickzahlen lassen aber vermuten, dass es den Machern nur darum geht schnellstmöglich Werbeeinnahmen zu generieren. Je populärer die hinterlegten Stichwörter, desto einfacher. Unter den beliebten Suchbegriffen finden sich auch solche, die vor allem von Kindern häufig genutzt werden. Auf die potenziellen Gefahren durch das Auftauchen unangemessener Inhalte weisen auch Medienpädagogen hin. Dennoch finden sie das Angebot sinnvoll. Trotz der Schlupflöcher im Algorithmus, bleiben die meisten ungeeigneten Videos draussen. Eltern sollten trotzdem immer im Blick haben, was sich die Kinder anschauen und gegebenenfalls Massnahmen ergreifen. Selbst wenn die meisten unangemessenen Videos aus YouTube Kids gefiltert werden, sollten Sie immer im Blick haben, was sich Ihre Kinder anschauen. 43