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FonTimes_7/2017

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HANDYNUTZUNG/KOMMUNIKATION VOM KLEINEN MILITÄRNETZ ZUM EINFLUSSREICHSTEN MEDIUM DER WELT Einst als Netzwerk für das Militär entwickelt, versorgt uns heute das Internet rund um die Uhr mit allem, was wir wollen: online Lebensmittel bestellen, Videos streamen, Nachrichten lesen oder mit Freunden austauschen. Im World Wide Web gibt es (fast) nichts, was es nicht gibt. Fast 90 Prozent der Schweizer sind regelmässig online. Doch schauen wir einmal auf die Anfänge zurück. Das sogenannte ARPAnet hat den Grundstein für die Entwicklung unseres heutigen Internets gelegt, damit aber nur noch wenig gemein. Hintergrund der Entwicklung war, dass die damalige Sowjetunion den ersten Satelliten „Sputnik“ ins All schoss. Die Amerikaner sahen sich daraufhingezwungen gleichzuziehen. Daher gründete Eisen hower die Advanced Research Projects Agency im Ver teidigungsministerium. Ziel der Einrichtung war die engere Kommunikation und Koordination von akademischen und wissenschaftlichen Institutionen. Der Physiologie-Professor und Leiter des Information Processing Techniques Office, Joseph Licklider, träumte davon, Computer als Unterstützung von Entscheidungsprozessen einzusetzen. Doch in der damaligen Zeit gab es noch keine persönlichen Computer (PC), sondern nur Grossrechner, die in einigen wenigen Rechenzentren betrieben wurden. Sie konnten auch nur einen Auftrag nach dem anderen verarbeiten und die Interaktionen mit ihnen basierte auf verschiedenen Terminals zur Ein- und Ausgabe, daher waren sie nur wenig effizient. CHRONIK 1958 1958 wird die ARPA (Advanced Research Projects Agency) in den USA gegründet. Zu nächst soll die Orga - nisation die Vormachtstellung der USA in der Raumfahrt vorantreiben. Diese Aufgabe übernimmt später aber die NASA (National Aero - nautics and Space Ad - mi nistration) und so widmet sich die Organi - sation der militärisch en Grundlagenforschung, hauptsächlich der Ent - wicklung der Computer. Die Firma RAND Cor - poration entwickelt für die Air Force das dezentrale Netzwerk. Mittels digitaler Informationsübertragung werden Daten in kleinen Paketen über das Netz übermittelt. 1968 Eine Ausschreibung der ARPA geht 1968 an 140 amerikanische Firmen. Bis Ende 1969 sollen vier, später insgesamt 19 Rechner miteinander vernetzt werden. Unter anderem halten die Firmen IBM (International Business Machines Corporation) und AT&T (American Telephone and Telegraph Company; früher Bell Telephone Company) das für unmöglich. Nur die Firma BBN (Bolt, Beranek and Newman) nimmt den Auftrag an und vernetzt sogenannte IMPs (Interface Message Processors). © BY-SA 3.0 1969 steht das erste ARPAnet. Mittels des Telnet-Protokolls sind vier Rechner in Kalifornien und Utah mit - einander verbunden. 1969 1970 In Frankreich und Hawaii werden 1970 unabhängige Netzwerke entwickelt, die sich aber nicht miteinander verbinden lassen. Während des Vietnamkrieges rückt die Weiterentwicklung des ARPAnets in den Hintergrund, obwohl inzwischen 23 Rechner miteinander verbunden sind. Zu dieser Zeit kostet der Netzzugang 100'000 US-Dollar jährlich. 46

F Mittels des Time-Sharing-Konzepts sollten die Prozesse beschleunigt werden. So wurde die gemeinsame Nutzung eines Computers ermöglicht. Dabei wird die Rechenzeit des Computers auf mehrere Terminals aufgeteilt. Daraus entstand die Idee, alle an Universitäten stehenden Computer miteinander zu vernetzen, um das Einloggen auf den verschiedenen Computern zu ermöglichen. Die erste Idee wurde allerdings wieder verworfen, da die Anzahl der nötigen Leitungen zu gross war. Es folgte die Idee, alle nötigen Informationen vom Computer auf sogenanntes Interface Message Processor auszulagern und die Computer über das IMP-Netz zu verbinden. Währenddessen forschte Paul Baran bei der Firma RAND im Auftrag der Air Force an einem Kommunika tionsnetz für das Militär. Seine Idee sah verschiedene Knoten vor, die alle gleichberechtigt mit mehreren anderen Knoten verbunden sind. Bereits drei bis vier Ver bindungen reichten aus für ein stabiles Netzwerk. Auch sollten die Daten in verschiedene Nachrichtenblöcke aufgeteilt werden, um sie über mehrere Kanäle versenden zu können. Anfängliche Gespräche mit dem Telekommunikationsan bieter AT & T zur Nutzung der Leitungen führten allerdings zu nichts, denn der Konzern war skeptisch gegenüber der Entwicklung. Es kam hinzu, dass Telefon ­ lei tun gen verbindungsorientiert und streng hierarchisch aufgebaut sind. › © Valbonne Consulting © RT 1972 1975 © AFP; Files; Francois Guillot Die Software zum Ver - senden elektronischer Post wird 1972 von BBN-Mitarbeiter Raymond Tomlinson entwickelt. Er nutzt das @-Zeichen, um den Namen des Adressaten von der Rechneradresse zu trennen. 1974 © BY-SA 3.0 Mathematiker Robert Kahn will die unterschiedlichen Netzwerke 1974 miteinander verbinden und ent wickelt dafür eine einheitliche „Sprache“. Das Transmission Control Proto col (TCP später TCP/IP) übermittelt Daten in kleinen Datenpaketen. @ @ @ @ Mit der „MsgGroup“ geht 1975 die erste Diskussionsgruppe über das Internet an den Start. Auf einer Art virtuellem, schwarzen Brett können die E-Mails aller Teilnehmer gelesen und beantwortet werden. @ 1977 Der erste Modem von Dale Heatherington für PCs „Hayes 80-103A“ wird 1977 verkauft. 1978 Ein Jahr später folgt das „USENET“, welches unabhängig von der „MsgGroup“ und ARPAnet agiert. Einzige Voraussetzung zum Bei tritt ist ein Telefonanschluss und ein Rechner mit dem Betriebssystem UNIX. In Frankreich entsteht währenddessen das Datennetz TRANSPAC, das als Übertragungsprotokoll ISO:X.25 nutzt. 47